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Stept Productions und Religulous 12|10|2008

Vorgestern war ich mit Freedle auf einer kleinen Premiere von "Road to Nowhere". Das ist ein Film von Stept Productions, genauer zwei Brüdern und einem Haufen Freunde aus Boulder. Also keine Bedenken, wenn ihr noch nie davon gehört habt. Hatte ich auch nicht. Aber ich wurde possitiv überrascht. In einem randvoll besetzten Hörsaal der Uni Boulder wurde uns ein abwechslungsreicher und sowohl vom Ski-Snowboarden als auch von filmischer Seite gute Qualität geboten. Deshalb hab ich mir danach auch den Film für 10$ gekauft. Support your Locals.
Es war mal wieder sehr interessant für einen Abend College Luft in Boulder zu schnuppern. Als wir über den Campus geschlendert sind, wurde ich wieder richtig neidisch. Alles neu, einheitlich, gepflegt und ausreichend vorhanden. Ok, Ok, 30.000 US$ pro Jahr müssen ja auch irgendwo hinkommen. Außerdem hab ich was erfahren, was mir vorher gar nicht so bewusst war. In USA MÜSSEN die Erstsemester auf dem Campus wohnen. Das erklärt dann auch, warum die Studenten hier eine viel größere emotionale Bindung zu ihrer Uni und ihren Sport Teams aufbauen. Was mir vorgestern auch wieder deutlich aufgefallen ist, wie jungs die Studenten in USA sind. Hier fangen alle mit 18/19 Jahren das Studieren an. Was nicht unbedingt heißt, dass sie alle schon reif dafür sind, alleine bzw. zu zweit zu wohnen. Josh hat mir mal erzählt, dass er in seiner Uni Zeit eine Art Tutor war, der mit den Erstis so Kennenlern-Ausflüge unternommen hat. Da waren dann teilweise Prinzessinnen dabei, die noch nie 10 Minuten durch einen Wald gelaufen sind oder sich NOCH NIE die Schuhe selbst gebunden haben!!! Das erklärt dann auch die exzessiven Parties und das unkontrollierte Paarungsverhalten der Erstis, wenn sie das erste mal aus Mamas Schoß in die große weite Welt geworfen werden. Deswegen haben die ganzen Studentenwohnheime auch keinen Küchen. Die Studenten gehen also immer in die Mensa. Kochen könnten die meisten wohl eh nicht.
Boulder ist in diesem Aspekt nochmal besonders interessant, da die ganze Stadt wirklich sehr klein ist. Auf mich wirkt Boulder wie ein Disneyland für Studenten. Freedle meinte dazu, dass es auch genug Studenten gibt, die daran zu Grunde gehen, weil alles nur wie eine große Party aussieht. Trotzdem wäre Boulder wirklich ein geiler Ort um zu Studieren. Die Berge im Rücken, unheimlich viel Grün und eine renommierte Universität. Aber der Gedanke, das erste Jahr in eine Art Zwangswohnheim zu leben... Dann doch lieber Deutschland.

Gestern waren Freedle und ich mit Pete Drago wieder mal im Kino. Der Kabarettist Bill Maher drehte einen Dokumentarfilm Namens "Religulous". (Für die weniger Englisch versierten, das ist ein Wortspiel aus "Religion" und "lächerlich") Wie der Name also schon verrät, geht es darum, dass Bill Maher durch die Welt reist und Gläubige verschiedener Religionen mit den Schwachsinn ihres Glaubens konfrontiert. Dabei kommen viele lustige, manchmal auch schockierende und sehr interessante Dinge zum Vorschein. Besonders gut ist Bill Mahers Metodik. Anders als der selbstverliebte Michael Moore haut er dem Zuschauer nicht seine Meinung um die Ohren sondern er hinterfragt oder zweifelt Thesen und Aussagen der Religionen. Dennoch fehlt es dem ganzen nicht an Satire, was den Film wirklich äußerst sehenswert macht. Ich weiß nicht, wie manch' ein religiöser Mensch damit umgehen wird, aber ich stehe 100% hinter dem Film.

Jetzt noch ein bisschen was zum Wetter. Denver ist echt krass. Hier wird einfach der Herbst ausgelassen. Vor einer Woche war hier irgendwie noch Sommer und mit einem Schlag ist es saukalt. Jedes mal wenn man jetzt aus dem Haus geht, kann man quasi schon den Winter riechen. Anders als in Deutschland, wo sich der Herbst gerne mal lange über den September, Oktober und November breit macht, wird das hier in zwei Wochen abgehandelt. Alle sprechen schon vom Schnee und Skifahren. Ich muss mich mal langsam beeilen, mir Equipment zu besorgen. Ski, Bindungen, Skischuhe und Handschuhe brauch ich noch. Wenn alles glatt läuft, bekomme ich das alles für lau. Mal sehn. Heute war unser Haus so kalt, dass ich es einfach nicht fertig gebracht habe, unter meinen drei Bettdecken hervor zu kriechen. Zum Glück hat Josh heute unseren Gasofen aktiviert. Das Haus hat leider keine Zentralheizung, was besonders im Bett recht ungemütlich ist. So ne Fussbodenheizung wäre schon nicht schlecht.

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